Sandra Dolby ist eine eiserne Lady

Am Triathlon ihres Heimatortes Baumholder nahm Sandra Dolby nicht teil. Kein Wunder, denn die VfR-Athletin hat am vergangenen Wochenende einen Ironman-Triathlon absolviert. In Frankfurt überquerte sie nach 11:54,53 Stunden die Ziellinie und hatte die Tortur über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen anschließenden Marathon zum ersten Mal in ihrem Leben hinter sich gebracht. Als sie beim Zieleinlauf die magischen Worte des Ansagers "now you are an ironman" ("jetzt bist du ein Ironman") hörte, hatte sie Gänsehaut. "Das war einfach genial", erzählt Sandra Dolby, die aber natürlich eigentlich eine Eiserne Lady ist.
Diesen Zieleinlauf hatte sie regelrecht in sich aufgesogen. Dass sie die Möglichkeit hatte, den abschließenden Marathonlauf in weniger als vier Stunden hinter sich zu bringen, interessierte sie überhaupt nicht. "Ich wollte diesen Zieleinlauf genießen, das Bad in der jubelnden Menge haben. Das war einfach unbeschreiblich", sprudelt es aus ihr. Eine verständliche Entscheidung, zumal die 4:01 Stunden, die sie schließlich für die 42 Kilometer gebraucht hatte, eine respektable Zweit darstellen - übrigens schon auch, ohne vorher fast vier Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer auf dem Rad in den Knochen zu haben. "Ich war einfach überglücklich", strahlt Sandra Dolby, die am Ende auf Platz 24 ihrer Altersklasse W40 landete und zurecht für sich reklamiert: "Als kleine Breitensportlerin bin ich stolz darauf, den Ironman in Frankfurt geschafft zu haben. Man sagt schließlich nicht umsonst, dass er neben Hawaii der schwierigste ist."
Um 6.45 Uhr am Morgen hatte Sandra Dolby den Kampf gegen die gewaltige Strecke und gegen sich selbst in Angriff genommen. Am Langener Waldsee war sie ins Wasser gestiegen. Die folgenden 3,8 Kilometer selbst waren für sie gar nicht das große Problem. "Ich hatte schnell meinen Rhythmus, den ich beibehalten habe", erzählt sie, die die Strecke als gute gute Schwimmerin nach eigener Aussage sogar "recht entspannt" hinter sich brachte. Gewöhnungsbedürftig war aber die Unzahl anderer Starter. "Man hat immer Leute um sich. Das ist brutal", schildert sie. Doch ein Trainer gab ihr den Tipp, so ins Wasser zu steigen, dass sie beim Atmen den Kopf von den meisten anderen Schwimmern wegdreht. "Das hat auch prima geklappt", stellt sie klar.
Der Wechsel aufs Rad funktionierte dann reibungslos und ohne Schwierigkeiten. Da ahnte Sandra Dolby noch nicht, dass ihr das Radfahren nicht nur alles abverlangen, sondern sie sogar an den Rand der Aufgabe bringen würde. Die erste Runde über 90 Kilometer absolvierte sie noch unter drei Stunden, doch in Runde zwei wechselte das Wetter. Es begann zu regnen, so dass es für die Athleten empfindlich kalt wurde. Trotzdem hatte Sandra Dolby bei einem Toilettengang bei etwa 150 Kilometern noch immer keine größeren Schwierigkeiten, doch beim Wechsel auf die Laufstrecke schlug die Kälte so richtig zu. "Ich war nach den letzten 20 Minuten auf dem Fahrrad so richtig durchgefroren", berichtet sie. "Beim Umziehen im Wechselzelt waren meine Beine dann wie taub vor Kälte und ich habe sogar ans Aufgeben gedacht." Die entscheidende Situation bei ihrem Ironman war angebrochen.
Doch so leicht gibt eine Sandra Dolby nicht auf. Die Baumholdererin schildert weiter: "Ich habe mir dann so gedacht, probier's halt, und das habe ich dann auch getan." Und sie biss sich tatsächlich durch. Nach 1:15,46 Stunden Schwimmen und 6:22 Stunden Radfahren ging sie auf die Marathonstrecke. Dort wurde sie von den Zuschauern regelrecht getragen. Ihre bemerkenswerte Zeit von vier Stunden für die Laufstrecke sprechen eine deutliche Sprache. Und der Zieleinlauf ließ sie dann alle Strapazen vergessen."
Die eiserne Lady aus Baumholder hat nun Blut geleckt und plant schon ihren nächsten Ironman-Start. Sie verrät: "Eigentlich wollte ich nur dieses eine Mal einen Triathlon dieser Länge absolvieren, aber nach dieser Erfahrung will ich nach Roth." Dort, am Rothsee, wird der vielleicht bekannteste Ironman-Triathlon in Deutschland ausgetragen. "Ich will den Vergleich", sagt Sandra Dolby.

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